Franz Christoph Schiermeyer

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NACHSCHLAG

 


 

313 nachgetragene und neue Aphorismen,
jüngste Aktualisierung am 11.04.2017;
Änderungen in Text und Reihenfolge möglich

 


 

[660]  Fokusmodushokuspokus.

[661]  Aus Ernst kann leicht Spiel werden.

[662]  Dem Humanen am nächsten ist der Humor.

[663]  Im Scherz liegt aller Ernst der Welt. Im Ernst ihr ganzes Elend.

[664]  Lass dich ruhig für dumm verkaufen! Das eröffnet konspirative Möglichkeiten.

[665]  Zwei linke Hände sind kein Ausweis von Geistesgröße.

[666]  Wo Hand in Hand gearbeitet wird, hat keiner eine frei.

[667]  Wenn alle an einem Strang ziehen, braucht man keinen Henker.

[668]  Er meditiert sich locker in den Schneidersitz, ergreift dann aber weder Zwirn noch Faden.

[669]  Selbstzensur. Die Schere im Kopf geht immer weiter auseinander.

[670]  Die Ausschreibung für den Sprecherposten war erfrischend offen ausgefallen: "Geschickter Lügner gesucht".

[671]  Wer die natürliche Intelligenz vertreibt, erhält die trainierten Schlaumeier.

[672]  Von Leuten, die sich nicht zu Beginn ihrer Rede straffen, darf man einen unendlichen Sermon erwarten.

[673]  Die Gedankengänge, in die er einlädt, sind so niedrig, dass man sogar bäuchlings seinen Kopf anstößt.

[674]  Öffentliche Kopfgeburt. Achtung, es folgt noch die Plazenta!

[675]  Im Zweifelsfall schüttele lieber den Kopf als Hände.

[676]  Die Chemie zwischen ihnen stimmt: Es kommt regelmäßig zur Explosion.

[677]  Sie erwidern sich an.

[678]  Sie macht ihm eine Szene und er daraus ein Drama.

[679]  Am geschwätzigsten sind die Menschen, die auf die Redseligkeit anderer hinweisen.

[680]  Er hat sein Profil geschärft: Wann immer sich ein Blick auf ihn richtet, reckt er energisch das Kinn vor.

[681]  Die sattsam bekannte Unleidlichkeit des Außenministers rührte her aus dem ständig in seiner Brust tobenden Widerstreit, was prächtiger wäre: das Amt durch ihn oder er durch das Amt.

[682]  Je dümmer ein in ein hohes Amt gelangter Mensch ist, desto lauter schwillt das Geraune, wie klug er insgeheim sei.

[683]  Ab und zu lässt der Mächtige ein freundliches Wort fallen. Und registriert genau, wer sich noch danach bückt.

[684]  Am Hofnarren interessiert den Mächtigen nur, wie er seinen Kopf aus der Schlinge zieht.

[685]  Die Fenster der finstersten Figuren sind am festlichsten erleuchtet.

[686]  Nicht jeder elder statesman war zuvor ein edler Staatsmann.

[687]  Klappern gehört zur Schlange.

[688]  Die drei Affen. Alles hören, alles sehen, alles sagen.

[689]  Aus einer Versammlung der Chamäleons: Wer wird als erster rot?

[690]  An manchen Tagen fliegen einem Gedanken zu wie Mückenschwärme im Sommer. Es ist unmöglich, sie alle auf einmal totzuschlagen.

[691]  Federn, die nicht beflügeln, sind ein zweifelhafter Schmuck.

[692]  Beobachtung im Zoo: Ein Papagei lehrt jeden reden.

[693]  Ein Aphoristiker braucht keinen Witz für eine Pointe.

[694]  Aphorismen sind die zitierfähigen Kurzfassungen verworfener Gedanken.

[695]  Valentinstag. "Was denkst du gerade?" ist eine Frage, die kann man sich schenken kann.

[696]  Wie jeder weiß, tut sie sehr viel Gutes im Verborgenen.

[697]  Er zeigte sich ihrer Fürsorge nicht gewachsen.

[698]  Sie muss immer das letzte Schweigen haben.

[699]  Sein Gewissen ist rein wie ein Taufkleid. Und täglich zwängt er sich neu hinein.

[700]  Das reine Gewissen? Eine allzu abstrakte Vorstellung.

[701]  Er musste sein Gewissen wegwerfen. Es war schlecht geworden.

[702]  Angesprochen auf ihre Schuld, fallen die meisten Täter in tiefe Bewusstlosigkeit.

[703]  Was nützt es, jemanden zur Vernunft zu bringen, wenn er anschließend nicht bei ihr bleiben will?

[704]  Eine zündende Idee allein reicht nicht. Man muss auch ausreichend Stroh im Kopf haben.

[705]  Feuerwerke brennt sie nicht gerade ab, aber mit schöner Regelmäßigkeit geht ihr ein Teelicht auf.

[706]  Der Froschkönig zu seiner Favoritin: "Die halbe goldene Kugel, den halben Brunnen und die ganze Nacht!" - "Nur über meinen Laich!"

[707]  Prinz Tollpatsch. Mit der Tür ins Schloss gefallen.

[708]  Er ergriff die Gelegenheit beim Schopfe, bekam sie aber nur bei der Frisur zu fassen.

[709]  Der Schaden, den er regelmäßig anrichtet, hielte sich in Grenzen, verzichtete er anschließend auf alle Rettungsversuche.

[710]  Ein ordentlicher Tischler würde sich einer unbequemen Wahrheit sicherlich schämen. Ein ordentlicher Professor lässt sich bequem auf ihr nieder.

[711]  Es gibt Autoren, die überschreiben ihre Bücher nur. Andere verleihen ihnen sofort die ehrenvollsten Titel.

[712]  Viele seiner Aphorismen gehen schon in die sechste oder siebte Auflage. So häufig schreibt er sie in sein Büchlein hinein und wieder heraus.

[713]  Er ist bemüht, seine Texte so abfassen, dass jeder, der sie überfliegen will, mit Sicherheit ins Trudeln gerät und zuverlässig abstürzt.

[714]  Im Leben eines anderen findet man sich viel besser zurecht als in seinem eigenen.

[715]  Er tat so überrascht, dass man vor Staunen gern woanders gewesen wäre.

[716]  Von denen ohne jede Hoffnung werden die allerhöflichsten Redewendungen erwartet.

[717]  Wenn er kindlich nicht bleiben und erwachsen nicht werden darf, wird der Mensch irgendwann kindisch.

[718]  Wohl immer gab es Menschen, denen der Sternenhimmel nicht gefiel. Neu erscheint der Typus, der ihn sich nicht mehr gefallen lassen will.

[719]  Das Universum dehnt sich nach allen Seiten aus. Möglichst weit weg von der Erde!

[720]  Bibel & Biblis. Macht euch die Erde untergang!

[721]  Ein zu Unrecht gelobtes Land.

[722]  Götter, die sich offenbaren, geben zu erkennen, dass sie sich zu lange verborgen gehalten haben.

[723]  Der geheime Offenbarungseid des Johannes.

[724]  Je unseliger der Glaube, desto größer der Drang, ihn zu verbreiten.

[725]  Ist der Mensch satisfaktionsfähig, wenn er einen Gott beleidigt hat?

[726]  Menschen begehen Sünden, Götter Religionen.

[727]  Um die Zukunft der Religion muss einem nicht bange sein: Die Menschheit wird sich ständig neue erfinden.

[728]  Vorstellbar ist mir eine Religion, deren Missionare im Gegenzug den Glauben der Bekehrten annehmen.

[729]  Ein Gewitter, so gewaltig, dass die Protestanten gelobten, Katholiken zu werden und die Katholiken Christen.

[730]  Glauben ist eine Frage des Wollens. Man kann alles glauben, was man will - sogar das, was andere wollen!

[731]  Opus Diaboli. So wenig, wie sie sich eine Religion ohne Wundmale vorstellen können, so wenig eine tiefe Empfindung ohne blaue Flecken.

[732]  Defensor fidei. Zieh in Betracht, dass es sich um einen Pflichtverteidiger handeln könnte!

[733]  Der öffentliche Zölibatär. Er steht in seinem Leben wie ein verschlossener Sarg in einem offenen Grab.

[734]  Die stille Hoffnung, dass die Toten vom Totsein mehr verstehen als die Lebenden vom Leben.

[735]  Wie viel mehr Grund hätten die Toten, um die Lebenden zu weinen!

[736]  Wofür gestorben wird, dafür wird auch getötet.

[737]  Militarismus. Ein Glaube, der Särge versetzt.

[738]  "Deutschland wird am Hindukusch verteidigt." Genauer: die Bundeswehr.

[739]  Ein Blick in die Geschichtsbücher lehrt: Nicht ob ein Krieg kommt, war jemals die Frage, sondern immer nur wann.

[740]  Mancher Zaun scheint nur errichtet, um jederzeit einen Streit von ihm brechen zu können.

[741]  Krieg war gestern. Die Kunst heute besteht darin, die Erde mit friedlichen Mitteln zu zerstören.

[742]  Destroyhand-Gesellschaft.

[743]  "Ein Hemd, das vorletzte Woche sauber war, kann heute nicht schmutzig sein."

[744]  Deutschland hat beste Beziehungen zu allen Herrenländern.

[745]  Bald werden unsere Städte so herunter sein, dass es am billigsten kommt, sie in Gedenkstätten umzuwidmen.

[746]  Der Bundespräsident. Das leibliche Oberhaupt aller Deutschen.

[747]  Erfolge an der Arbeitsmarktfront: Eine Stellung nach der anderen genommen!

[748]  Der Finanzberater. Er hat eine exzellente Hinterziehung genossen.

[749]  Arbeitsagentur. Karrierefreier Zutritt zu allen Räumen!

[750]  Wer nicht im Guten solidarisch sein will, wird es im Bösen.

[751]  Wir leben in schlechten Zeiten: Die Guten schämen sich.

[752]  Einen Menschen abgewandt sich schneuzen zu sehen, nimmt hilflos für ihn ein.

[753]  Gibt es etwas Schändlicheres, als ein Thema nur mal kurz anzureißen und dann halbtot liegenzulassen?

[754]  Machen wir noch etwas Politik oder gehen wir gleich in die Wirtschaft?

[755]  Eine Organisation existiert genau so lange, wie noch ein Funktionär von ihr leben kann.

[756]  Die man nicht beschämen kann - von denen muss man sich trennen.

[757]  Wie kann das Fleisch stark sein, wenn der Geist willig ist?

[758]  Der Monsignore. Ein rechtschaffener Arbeiter im Weinkeller des Herrn.

[759]  Nicht jeder Winzer versteht es, Wein in Wasser zu verwandeln.

[760]  Alkoholismus. Die Grenzen sind fließend.

[761]  Die Traube ist süß. Die Rosine süßer.

[762]  Alkohol: Trinkelizer.

[763]  Kloster. Behütetes Glauben.

[764]  Der Mönch. Er führt ein Gott selbstgefälliges Leben.

[765]  Er will für mich beten... Ich kann das schon selber!

[766]  In der Nervenheilanstalt: "Ich armer Gesünder!"

[767]  Sie begeistert sich für Krankheiten jeglicher Art, kann sich aber für keine entscheiden.

[768]  Freiräume haben Gummiwände.

[769]  Die wenigsten Beichten werden von Priestern abgenommen.

[770]  Auch wer öffentlich beichtet, bricht das Beichtgeheimnis.

[771]  Der Kardinal. Ein rechter Scharlachtan.

[772]  Eine Schneise der Versöhnung.

[773]  Es heißt, unsere Gesellschaft werde immer kälter. Dafür erwärmt sich das Klima.

[774]  Auch den Vorwurf, korrupt zu sein, nimmt der Bestechliche gern persönlich.

[775]  Niemand ist so lästig präsent wie der, der nur auf sein Fortkommen bedacht ist.

[776]  Die mächtigsten Leute haben die eifrigsten Fürsprecher.

[777]  Je intensiver einer an sich denkt, desto schneller vergisst er sich.

[778]  "Warum Liechtenstein? Der Profit gilt nichts im eigenen Land!"

[779]  Banken & Versicherungen. Hart im Nehmen.

[780]  Manager: Millionizionäre.

[781]  Neue deutsche Rechtschreibung: rau und ro.

[782]  "To go" ist "no go".

[783]  Pseudokrupp? Völlig aus der Luft gegriffen.

[784]  Sein Auto ist so verletzlich, dass er einen Verbandskasten stets bei sich führt.

[785]  Der Rückwärtsgang ist eine vertrauensbildende Maßnahme zwischen den verfeindeten Autobauern. Gebraucht wird er eigentlich nicht.

[786]  Ein Auto ist das schnellste Mittel, die weitesten Umwege zu machen.

[787]  Es soll Leute geben, die ihr Auto als Gebrauchsgegenstand misshandeln.

[788]  Er möchte unbedingt etwas anschieben, bewegen, gegen die Wand fahren...

[789]  Ablenkungsmanöver. Das Steuer herumreißen!

[790]  Altersmilde. Er klagt über die ersten Zimperlein.

[791]  Nicht in jedem Haus ist willkommen, wer etwas an den Füßen hat.

[792]  Großfamilien sind Verbände ohne klare Strukturen: Man weiß nie, ob man noch zu den nahen Angehörigen zählt. Oder schon zu den entfernten Verwandten.

[793]  Die Decke wird wissen, warum sie den Leuten auf den Kopf fällt. Und nicht in den Schoß.

[794]  Sogar die Langeweile hängt ihm schon zum Hals heraus.

[795]  Bildungsbürgertum. Anerlesener Geschmack.

[796]  Doctor honoris causa. Ein ausgezeichneter Bekanntheits-Grad.

[797]  Täglich kommen sommers ein Eis- und ein Obsthändler ins Dorf. Hält der eine, bin ich in Erwartung des anderen.

[798]  Dass es wirklich und wahrhaftig Sommer geworden ist, erkenne an den alljährlichen Bußpredigten der Barfüßigen, wie unmöglich Socken in Sandalen seien!

[799]  Den ganzen Spaziergang über beschäftigte ihn die Frage, ob man von einem leichten Regen überrascht werden kann.

[800]  Ein Tag, kalt genug, um sich daran zu erinnern, dass Fäustlinge besser wärmen als Fingerhandschuhe.

[801]  Nichts eignet sich besser zum Ausrutschen als der Schnee von gestern.

[802]  Hätten wir gelernt, in den Tag hinein zu leben, stünden wir nicht jeden Abend so ratlos vor seinem Ausgang.

[803]  Ein abendfüllender Gedanke.

[804]  Lärm macht laut.

[805]  Für ein Echo riskiert mancher seinen Ruf.

[806]  Alles, was der Mensch unternimmt, soll seiner Beruhigung dienen. Auch das Aufregendste.

[807]  Den Schwimmer schreckt nicht die Tiefe, sondern die Weite des Meeres.

[808]  Galeerensklaven haben jedes Recht, aus dem Ruder zu laufen.

[809]  Brandung. Wie heftig das Meer sich gegen das Festland wehrt!

[810]  Das Schiff Petri - ein alter Seelenverkäufer.

[811]  Glaubenswächter lassen mit Vorliebe fremde Seelen baumeln.

[812]  Terroristen. Sensibel bis zum Anschlag.

[813]  Billige Schadenfreude: ein Henker, der in Ausübung seines Amtes stirbt!

[814]  Eine zum Himmel schreiende Gerechtigkeit.

[815]  Der Mantel der Geschichte bedeckt ihre Blößen nur notdürftig.

[816]  Gipfeltreffen. Zunächst gilt es, das gemeinsame Gezetere festzulegen.

[817]  Amerika. Die Quadratur des Oval Offices.

[818]  In manchen Ländern sind die Wahlen so geheim, dass niemand weiß, wann welche stattgefunden haben.

[819]  Nach der Wahl. Nur ein paar geplatzte Regierungswechsel.

[820]  Er dankt seiner Frau und seinen Wählern. So wahr ihm Gott helfe!

[821]  Unerwünschte Mehrheitsentscheidungen gelten der Minderheit als populistisch.

[822]  Die größte Macht wird mit den geringsten Mitteln errungen. Die geringste mit den größten verteidigt.

[823]  Große Koalition. Wertkonservative und Wertfreie.

[824]  Das Volk ist das Souterrain des Staates.

[825]  Fachleute bevorzugen Schubladen.

[826]  Vorratsdatenspeicher. Wie nachlässig - meine Tastatur ist voller Fingerabdrücke!

[827]  Seine Selbstzweifel beschleichen ihn so gekonnt, dass er sie überhaupt nicht bemerkt.

[828]  Der Bank-Nachbar. Heute schreibt er von der Steuer ab.

[829]  Ein ganz übler Rankingschmied.

[830]  Er hat sein Gesicht verloren. Und jetzt sollen alle ihm beim Suchen helfen!

[831]  Der Empfang. Lauter geladene Gäste!

[832]  Er ist noch nicht sicher im Lügen: Er glaubt sich noch nicht alles, was er sagt.

[833]  Öffentlich ist er von seiner Meinung abgerückt. Aber heimlich hält er noch Kontakt.

[834]  Der alte Fuchs ergreift das Wort und spricht in Richtung der jungen Hasen: "Ich bitte doch sehr um konstruktive Kritik, was meine Fressgewohnheiten angeht!"

[835]  Gib acht, dass der, der seinen Hut nimmt, kein Kaninchen daraus zaubert!

[836]  Eine bessergestellte Frage. Mit Anspruch auf eine affektierte Antwort.

[837]  Rede sich, wer kann!

[838]  Keine Stille gleicht der anderen.

[839]  Die irrige Vorstellung, Stille durch Ruhe wiederherstellen zu können.

[840]  Wenn die Leute meinen, etwas zu wissen, glauben sie, einem predigen zu dürfen.

[841]  Früher ließ man seine Augen wandern. Heute schickt man sie joggen.

[842]  Ein offenes Gesicht ist die perfekte Maske.

[843]  Die Satire räumt das Feld. Von Tretminen.

[844]  Wasserwerfer: Furchteinflößgeräte.

[845]  Rufmord. Das Echo plädiert auf Totschlag.

[846]  Rechtslage. Muss man einem Mörder zu verstehen geben, dass man nicht erschlagen werden möchte?

[847]  Unterlassenes wiegt in der Regel schwerer als Begangenes.

[848]  Vor einer Versuchung ist man so lange sicher, wie die Wirkung, ihr erlegen zu sein, gerade noch anhält.

[849]  Asketen fürchten nur eins: ihr Fett abzubekommen.

[850]  Manche Bischöfe sind sich für keinen Ecclat zu fein.

[851]  Das Wort "Kanonisieren" erinnert doch sehr ans Kartätschen.

[852]  Hinge der Himmel direkt über unseren Köpfen, wollte niemand hinein.

[853]  Der Bub Joseph hatte im gesamten Schuljahr keinen einzigen Tag gefehlt und sonnte sich die ganzen Sommerferien über im neu gewonnenen Ruf seiner Unfehlbarkeit.

[854]  Pontifex Pilatus.

[855]  Der Besuch einer Frühmesse ist etwas für extreme Individualisten.

[856]  Die Christen schlagen das Kreuz. Und meinen den Gekreuzigten.

[857]  Der Theologe. Er ist geschickt genug, sich nicht festnageln zu lassen - schon gar nicht aufs Kreuz.

[858]  Jegliche Art von Umkehr scheitert an der Einladung: "Du kannst jederzeit wieder werden wie wir!"

[859]  "Wer ist der Nächste?", fragt die Bäckersfrau. "Ich!", reckt sich der Christ.

[860]  Auch die Atheisten sprechen ihr Abendgebet. Sie schließen nur niemanden darin ein.

[861]  Wer verbietet, Gott darzustellen, hat eine allzu realistische Vorstellung von ihm.

[862]  Theologie. Der umgekehrte Versuch, aus Lehm Gott herzustellen.

[863]  Was du nicht tätest, wenn es Gott nicht gäbe, lass ihm zu Ehren sein!

[864]  Menschwerdung. Gott hat sich aus dem Staub gemacht.

[865]  Die Wahrheit ist nicht wählerisch. Es genügt ihr schon, dass sich jemand verplappert.

[866]  In der Hoffnung, für einen Querdenker gehalten zu werden, legt er fleißig seinen Kopf schief.

[867]  Seine Gedankenwelt ist so interessant und einladend wie der Hochsicherheitstrakt einer Haftanstalt. Er hat sie voll im Begriff.

[868]  Er äußert niemals seinen Ärger, sondern immer nur sein Unverständnis. So darf ihn selbst der Allerdümmste für nicht sehr gescheit halten.

[869]  Umgekehrt äußert er sein Verständnis immer schon zu einem Zeitpunkt, da noch gar nicht feststeht, ob er nicht auch zum Verstehen wird gelangen können.

[870]  Diogenes zu Sokrates: "Ich weiß, dass du nichts weißt!" Sokrates zu Diogenes: "Geh mir aus der Tonne!"

[871]  Eins wird Sokrates gewusst haben: Dass ihm ein glänzender Gedanke gekommen war.

[872]  In seinen Schriften denkt er nach über die Natur. Und in der Natur über seine Schriften.

[873]  Jean-Jacques Rousseau: ein naturbelassener Philosoph.

[874]  Monokultur. Mancher zieht in seinem Gedankengarten nichts als Vergleiche.

[875]  Er gilt als so origineller Kopf, dass er vermutlich keinen Gedanken zweimal denkt.

[876]  Den Denker küsst die Muse auf die Stirn, den Dichter auf den Mund.

[877]  Nicht alles, was wir wahrnehmen, wollen wir dann auch wahrhaben.

[878]  "Weniger ist mehr." - Mehr oder weniger.

[879]  Wer keinen Vergleich scheut, erspart sich das Urteil.

[880]  Jemanden grüßen, ist selten mehr als reine Höflichkeit. Jemanden bewusst nicht grüßen, kaum weniger als ein Verbrechen.

[881]  Der Ton macht die Musik. Unglücklicherweise hat er das absolute Gehör.

[882]  Ihre größten Auftritte feierte sie an der Escala...

[883]  Ihr Alter gibt sie mit einer Anzahl von Jahren an, die eher durch Subtraktion als Addition zustande gekommen zu sein scheint.

[884]  Täglich bügelt sie ihm seine Sachen auf. Er ist aber noch nicht aus der Tür - schon legt er die Stirn wieder in Falten!

[885]  Nicht jede Ursache weiß um ihre Wirkung.

[886]  Die herrlichsten Früchte werden in der irrigen Meinung hervorgebracht, sie seien für den Eigenverbrauch bestimmt.

[887]  Frucht der Nachhaltigkeit: Erstes Biokind geboren!

[888]  "Man sieht in jenem Mädchen schon die künftige Frau..." "Und den armen Mann an ihrer Seite!"

[889]  Was einem die eigene Mutter ist, wissen am besten deren andere Kinder.

[890]  Er tut alles dafür, dass seine Kinder es später einmal besser machen.

[891]  Kaminholz. Vor jedem Haus ein gewaltiger Scheiternhaufen.

[892]  Seine Absichten sind nicht halb so lächerlich wie seine Ansichten.

[893]  Showdown. Sie gehen aufeinander zu.

[894]  Täten ernsthafte Politiker, was sie insgeheim für notwendig hielten, würden sie selbst eine Misswahl gewinnen.

[895]  Die Erhöhung seiner Bezüge rechtfertigt er damit, dass er seit geraumer Zeit mehr Mitarbeiter habe. Früher argumentierte er in derselben Sache mit zu wenigen Mitarbeitern.

[896]  Der Lobbyist. Voller bestechender Ideen.

[897]  Kranke Anliegen müssen herangetragen werden.

[898]  Die Börse gibt täglich Anlass zu den wildesten Spekulationen.

[899]  Weltuntergang. Kompetente Werbepartner gesucht!

[900]  Ist das Leben solch ein Verbrechen, dass man hinterher vor einem höchsten Richter zu erscheinen hätte?

[901]  Bei der zu erwartenden Dauer des Jüngsten Gerichtes wird sich mancher dankbar des Ältesten Gewerbes entsinnen.

[902]  Nach der Auferstehung dürfte Vielen erst einmal der Sinn nach einer kleinen Seelenwanderung stehen.

[903]  "Na gut, ist die Erde eben eine Kugel - aber der Mensch bleibt eine Scheibe!"

[904]  Ein ewiges Leben? Wenn der liebe Gott nicht vorher hinwirft!

[905]  Je mehr einer redet, desto unredlicher wirkt er.

[906]  Er hat eine klare Botschaft. Kann sie aber nicht ausrichten.

[907]  Im Winkel. Nichts schöner, als bei guter Gesundheit zu sitzen und ihr von seinen Krankheiten zu erzählen!

[908]  Zurecht misstraut er der Sprache. Jahrelang hat sie ihn verraten, und er hat es nicht gemerkt.

[909]  Es steht ihm auf der Stirn geschrieben, dass er sie jedermann bieten will.

[910]  Auch der Teufel will keine Scherereien: Fährst du zur Hölle, vergiss deinen Ausweis nicht!

[911]  Bestimmt gibt es unter den Toten jemanden, der freiwillig über die Einhaltung der Friedhofsruhe wacht.

[912]  Die Ohrenbeichte ist gar nicht mehr gefragt. Es wäre auch viel besser, die Augen zur Beichte zu schicken.

[913]  Ein witwenhaftes Wesen, dem nur der Richtige noch nicht gestorben ist.

[914]  Es heißt, er sei gutmütig aus reiner Bosheit.

[915]  Überflieger können nirgends landen.

[916]  Don Quichotte und Rosinante. Manchmal lohnt es, Ross und Reiter zu nennen.

[917]  Arme Klassiker! Von jedermann herbeizitiert.

[918]  Excolibris. Aus meiner Sprüche-Sammlung.

[919]  Wie ärgerlich! Nicht einmal alle Pflanzen sind Vegetarier.

[920]  Katzen halten sich lieber eine Frau als einen Mann.

[921]  "Frau Gott": Bi-Gotterie.

[922]  Der "Comedian": Er bricht in einen Scherz aus.

[923]  Erröten? Auch nur eine Verlegenheitslösung.

[924]  Nicht die Träne ist sentimental, sondern das harte Herz, das sie weint.

[925]  Schweigeminute. Ein gemeinplätziges Stillesein.

[926]  Eine getragene Weise. Leider schon etwas fadenscheinig.

[927]  Auch schräge Musik kann an glückliche Tage erinnern.

[928]  Der Aquarellist. Eine Blaskapelle - leicht hingetuscht.

[929]  Bodenloser Tiefsinn.

[930]  Orient und Desorient.

[931]  Gordischer Knoten. Schlug sich so durch...

[932]  Mancher muss sich erst fangen, bevor er frei atmet.

[933]  Seit er sich ein zweites Standbein geschaffen hat, bewegt er sich gar nicht mehr.

[934]  Der Lügner. Alle seine Träume werden wahr.

[935]  Die Lücken des Gesetzes haben sich hinter dem Gefangenen geschlossen.

[936]  Nach dem Urteil. Unbekannt vollzogen.

[937]  Ein Orden erster Klasse. Am Gängelband.

[938]  Festverankerte Überzeugungen brauchen jedes Frühjahr einen neuen Anstrich.

[939]  Schlechte Kunst verleugnet ihre Herkunft. Und hofft auf Epigonen.

[940]  In jedem Chamäleon verbirgt sich ein wahrer Löwe.

[941]  Für wirklich Wertvolles kann man sich nichts kaufen.

[942]  Hass: Gegenliebe.

[943]  Womit die trösten, denen nichts fehlt?

[944]  Suizitatenschatz. Letzte Worte.

[945]  Stille trat ein, und er nickte ihr zerstreut zu.

[946]  Ein geistreicher Gedanke, an den Bettelstabreim gekommen.

[947]  Es liegt ihm etwas auf der Zunge. Das will nicht zergehen.

[948]  Das Omega ist der Torbogen, durch den auch das Alpha muss.

[949]  Alles eigens Betonte wirkt nachträglich übertrieben.

[950]  Meine taumeligen Schmetterlingsgedanken.

[951]  Voreilige Schlüsse soll man ziehen lassen.

[952]  Im Nachhinein gibt´s überall Spuren.

[953]  Herbst... Ihn frömmelt.

[954]  Wer sich erinnert, muss nicht zurückschauen.

[955]  Freiwillige Selbstironie.

[956]  Der Not zu gehorchen ist einfacher, als dem Überfluss zu widerstehen.

[957]  Schon wieder Weihnachten? Fürchtet euch nicht!

[958]  Die Kirchen. Miteinander über Kreuz.

[959]  Parlamentarismus. Das Plenum nur ein Vakuum.

[960]  Das staatstragende Destablishment.

[961]  Perlen vor die Säue und Säulen vors Häuschen...

[962]  Der geschwätzige Greis. Altklug wie eh und je.

[963]  Der Hoffnungsträger. Er hofft, mit dem Versprechen auf Abschaffung der Folgen seiner letzten Wahl auch die nächste zu gewinnen.

[964]  Heiratet eine Prinzessin, fühlt sich die Erbse unter ihrer Matratze wohlig beteiligt.

[965]  WARUM? Tragödien rangieren in der Publikumsgunst noch vor den Komödien.

[966]  Eventuell sind Events gar keine Ereignisse?

[967]  Anerkennung erfreut, Applaus beschämt.

[968]  Glocal players.

[969]  Wellness. Eine typisch deutsche Rewohlution.

[970]  Einen guten Koch muss man sich warmhalten.

[971]  So gerne, wie er beide Augen zudrückt, hätte er gut Bestatter werden können.

[972]  Einen Exhibitionisten kann man nicht bloßstellen.

*

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